Vor ungefähr fünfzehn Jahren, zu Beginn meiner Laufbahn als Übersetzer, habe ich für verschiedene Münchner Filmgesellschaften übersetzt. Einmal musste ich auch das Drehbuch von „Das Sams“ ins Italienische übertragen, was mir zwar Spaß gemacht hat, aber zum Teil auch schwer fiel, weil es viele Wortspiele enthielt.
Ein Beispiel:

ERZÄHLER
Am Sonntag schien die Sonne.
[….]
ERZÄHLER
Und am Montag traf er Herrn Mon. Herr Mon ist der beste Freund von Herrn Taschenbier. Außerdem der einzige.
[….]
ERZÄHLER
Am Dienstag hatte er Dienst.
[….]
ERZÄHLER
Und am Mittwoch war Mitte der Woche.
[….]
TASCHENBIER
Am Donnerstag hat’s gedonnert, am Freitag hatte ich frei.
1. VERKÄUFERIN
Ja und?
TASCHENBIER
Und heute ist Samstag. Am Samstag: Sams (zum Sams:) Du bist bestimmt ein Sams!
SAMS
Wie hast du das rausgekriegt?
TASCHENBIER
Man muss nur logisch denken können.

Das Problem bei der Übersetzung aus dem Deutschen ins Italienische ist, dass die Wochentage auf Italienisch – so wie auch in den meisten romanischen Sprachen – bis auf Samstag (sabato, aus dem hebräischen „sabbat“) und Sonntag (domenica, aus „dies dominicus“ = Tag des Herren) aus den lateinischen Namen der Himmelskörper stammen:

Lunae dies -> lunedì,
Martis dies -> martedì,
Mercurii dies -> mercoledì,
Iovis dies -> giovedì,
Veneris dies -> venerdì.

Mit „Dienst“, „Mitte der Woche“, „frei“, „donnern“ usw. konnte ich wenig anfangen und keinen Bezug zu den Namen der italienischen Wochentage finden. So ging damals in meiner Übersetzung das Wortspiel leider verloren. Ich fand dafür keine zufriedenstellende Lösung. Ich hätte zumindest den Herrn Mon in Herrn Lun und „das Sams“ in „das Sabs“ umbenennen müssen … Es wäre aber ein zu großer Eingriff in das ganze Drehbuch gewesen, was ich mir einfach nicht getraut habe. Außerdem klingen „il Sabs“ und „il signor Lun“ auf Italienisch schrecklich! Das wäre also auch keine gute Lösung gewesen.

Aber auch in Marketingtexten findet man immer wieder mehr oder weniger gelungene Wortspiele. Vor einiger Zeit musste ich die Überschrift eines Werbetextes über den City Night Line, den Nachtzug der Deutschen Bahn, übersetzen, die lautete: „Augen zu und da!“ mit der Anspielung auf den bekannten Spruch „Augen zu und durch“. Werbeleute mögen anscheinend sehr gerne solche Wortspiele, Übersetzer weniger … Damit gemeint ist, dass man bequem über Nacht im Schlaf über lange Entfernungen reist und am Zielort ankommt, fast ohne es zu merken. Na toll, habe ich mir gedacht, der Tag ist gelaufen! Ich konnte doch nicht schreiben „Occhi chiusi e qua (oder là)“! Verkrampft habe ich eine Zeitlang versucht, etwas mit occhi, sonno, dormire, notte, mattina, arrivare (Augen, Schlaf, schlafen, Nacht, Früh, ankommen) zusammenzubasteln, umsonst. Es kam nichts Brauchbares heraus.

Schließlich habe ich die Überschrift ignoriert und zuerst den ganzen Text übersetzt. Dann bin ich schlafen gegangen. Es war schon Abend. Am nächsten Tag fiel mir die Lösung von allein ein: „Riaprite gli occhi e siete arrivati“ (Sie machen die Augen wieder auf und sind angekommen). Ein Bisschen länger als der Ausgangstext, aber die Italiener brauchen immer ein paar Wörter mehr, um das Gleiche auszudrücken, was ein Deutscher sehr knapp formulieren kann. Meine Lösung schien mir irgendwie sogar logischer als die deutsche Überschrift: wenn ich im Zug die Augen zu mache, bin ich nämlich noch lange nicht da! Am Ziel bin ich erst, wenn ich die Augen wieder aufmache, vorausgesetzt ich schlafe durch (was mir persönlich bei Fahrten im Liegewagen noch nie gelungen ist). Es gibt aber keinen Spruch „Augen auf und durch“ und daher auch kein „Augen auf und da“ und somit keine Möglichkeit einer logischeren Anspielung oder eines passenderen Wortspiels.