L’esperienza di 100 ani

Auf der leider sehr fehlerhaften italienischen Webseite eines bekannten deutschen Werkzeugherstellers liest man unter anderem folgenden erstaunlichen Satz:

con i nostri utensili profitta dell’esperienza di 100 ani

Die Form „profitta“ ist die dritte Person Singular eines Verbs „profittare“, das es im Italienischen gar nicht gibt. Die korrekte Übersetzung von „Sie profitieren“ wäre „approfitta“ oder besser im Plural „approfittate“. Das ist aber noch das kleinste Problem!

Wissen nämlich diejenigen, die Italienisch nicht oder nicht sehr gut verstehen, was ein solcher Satz eigentlich bedeutet? Nein? Gut, dann zeige ich Ihnen meine deutsche Übersetzung einmal in zwei unterschiedlichen Versionen:

Die „feinere“ Version lautet:

„Mit unseren professionellen Werkzeugen profitieren Sie von der Erfahrung von 100 Aftern.“

Die weniger feine und eher umgangssprachlichere Version wäre hingegen:

„Mit unseren professionellen Werkzeugen profitieren Sie von der Erfahrung von 100 Arschlöchern!“

Ja, so was kann leicht passieren, wenn man auf jegliche Korrekturvorgänge verzichtet. Aus „100 Jahren“ (anni) werden auf einmal „100 Arschlöcher“ (ani). Ob jemand in Italien von deren Erfahrung gerne profitieren würde? Eher nicht, glaube ich …

Meine Empfehlung daher an die Auftraggeber: Wenn Sie Ihre Webseite ins Italienische oder in eine andere Sprache übersetzen lassen möchten, investieren Sie lieber ein paar Hundert Euro mehr, um die Übersetzung mindestens zweimal lektorieren und korrigieren zu lassen. Ein letztes Mal sollten die Texte dann nochmal von einem erfahrenen Korrektor überprüft werden, nachdem sie in die Webseite eingefügt worden sind. Das ist wirklich empfehlenswert. Es sei denn, sie haben nichts dagegen, wenn, wie in diesem Fall, der Name Ihrer Firma in den nächsten zehn Jahren in Italien je nach sozialem Umfeld mit „100 Aftern“ oder „100 Arschlöchern“ in Verbindung gebracht wird – denn das Internet hat ein Elefantengedächtnis …

Über den Autor:

Silvano Zais
Silvano Zais hat die erste Hälfte seines Lebens in Italien und die zweite in Deutschland verbracht und ist somit ein echter „Italotedesco“. Er denkt und träumt auch zweisprachig ... je nachdem welche Wörter ihm schneller einfallen. Er hat Literaturwissenschaft, Philosophie und Soziologie in München studiert und arbeitet als Übersetzer, Italienischlehrer und Entwickler von Lehrmitteln für den Sprachunterricht. Er ist der Leiter von ItalLingua, einem Netzwerk von italienischen und deutschen Sprachexperten.

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