Entro, per oder fino a? (1)

Kennen Sie den Unterschied zwischen entro und fino? Nein, das ist nicht der Anfang eines dummen Witzes! Es ist eine ernst gemeinte und durchaus berechtigte Frage, da es in der deutschen Sprache für beide Wörter nur eine einzige Übersetzung gibt, nämlich: bis. Für einen Italiener, der Deutsch spricht, ist es praktisch, denn er muss sich nur ein Wort merken, einem Italienisch sprechenden Deutschen hingegen bereitet es Kopfzerbrechen. Möglicherweise bezeichnet das deutsche Wort bis zwei unterschiedliche Sachverhalte, von denen ein Deutscher immer geglaubt hat, es würde sich um ein und denselben Sachverhalt handeln. Dazu gesellen sich manchmal sogar die Präpositionen a und per.

Betrachten wir als Beispiel die Bedeutung einiger Sätze oder Ausdrücke:

A domani!
Devo consegnare tutto entro domani.
Dobbiamo finire il lavoro per domani.
Ha tempo fino a domani.

Ja, genau, in allen vier Fällen lautet die korrekte deutsche Übersetzung der hervorgehobenen Stellen „bis morgen“.

Bis morgen!
Ich muss alles bis morgen abgeben.
Wir müssen bis morgen die Arbeit beenden.
Er hat bis morgen Zeit.

Leider kann man aber nicht beliebig a, entro, per oder fino a als Übersetzung der deutschen Präposition bis einsetzen.

Man kann also nicht sagen:

Bis morgen! Per domani! (Falsch!)
Ich muss alles bis morgen abgeben. Devo consegnare tutto fino a domani. (Wieder falsch!)
Er hat bis morgen Zeit. Ha tempo entro domani. (Und noch einmal falsch!)

Also, Sie haben bis morgen Zeit, um aus den drei Beispielen eine Regel abzuleiten, die es Ihnen ermöglichen soll, die richtige italienische Präposition zu finden, wenn Sie auf Deutsch die Präposition bis in temporalen Ausdrücken (Zeitangaben) verwenden möchten.

[Hier finden Sie den 2. Teil des Beitrags „Entro, per oder fino a? (2)„]

Über den Autor:

Silvano Zais
Silvano Zais hat die erste Hälfte seines Lebens in Italien und die zweite in Deutschland verbracht und ist somit ein echter „Italotedesco“. Er denkt und träumt auch zweisprachig ... je nachdem welche Wörter ihm schneller einfallen. Er hat Literaturwissenschaft, Philosophie und Soziologie in München studiert und arbeitet als Übersetzer, Italienischlehrer und Entwickler von Lehrmitteln für den Sprachunterricht. Er ist der Leiter von ItalLingua, einem Netzwerk von italienischen und deutschen Sprachexperten.

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