Wegen der sich in den letzten Jahren in Italien verschärfenden Finanz- und Wirtschaftskrise haben immer mehr Italiener ihre Familie und ihr Land verlassen, um im Ausland nach einer Arbeit zu suchen. Francesca Mannocchi, Journalistin vom italienischen Fernsehsender La7, hat einige von ihnen auf ihrer Fahrt von Sizilien nach Deutschland begleitet und in Wolfsburg mit italienischen Auswanderern der ersten Generation gesprochen, die Jahrzehnte lang in Deutschland gelebt und gearbeitet haben.

Ich hätte gerne für unsere Blogbesucher die Texte und Dialoge aus dem Fernsehbeitrag übersetzt und das Video mit deutschen Untertiteln versehen. Meine wiederholten Anfragen beim italienischen Sender La7, um die Erlaubnis dafür zu bekommen, wurden jedoch nicht beantwortet. Dass in Italien auf Mail-Anfragen nicht geantwortet wird, scheint aber eher die Regel als die Ausnahme zu sein.

Hier sind nur zwei kurze Dialoge aus dem Fernsehbericht auf Italienisch und in deutscher Übersetzung:

00:00:06

[Wolfsburg]

„Che fa qua?“
„Porto i giornali. È il mio job e lo stato mi aiuta.“

„Che lavoro faceva?“
„L’autista. L’ho fatto per 33 anni.“
„Come si sente?“
„Una chiavica … Come ci si può sentire? A dover dire a un figlio “dammi i soldi per comprare le sigarette”? Non esiste! Ho dato sempre io da mangiare ai miei figli. Loro a me non mi possono dare da mangiare. Ho ancora la mia dignità.“
Una persona che ha lavorato una vita, perché io ho sempre lavorato. Io qua ho pagato 33 anni di contributi, per non avere un grammo di soddisfazione.“
„Natale me lo son fatto solo come un cane.“

„Qua?“
„Sì, e ho tre figli in Italia… è una merda l’Italia e mi vergogno di essere italiano.“

[Wolfsburg]

Was machen Sie hier?
Ich trage die Zeitungen aus. Das ist mein Job, und der Staat unterstützt mich.
Was haben Sie früher beruflich gemacht?
Ich war 33 Jahre lang Fahrer.
Wie fühlen Sie sich?
Wie Abfall … Wie soll man sich denn fühlen? Wenn ich meinem Sohn sagen muss, „gib mir das Geld für die Zigaretten“? Das gibt’s doch nicht! Ich war immer derjenige, der meine Kinder ernährt hat. Meine Kinder können jetzt nicht für mich sorgen. Ich habe noch meine Würde.
Ein Mensch, der ein Leben lang gearbeitet hat. Ich habe hier 33 Jahre Sozialbeiträge bezahlt und habe kein bisschen Freude.
Weihnachten habe ich mutterseelenallein verbracht.
Hier?
Ja, und ich habe drei Kinder in Italien… Italien ist ein Scheißland, und ich schäme mich, Italiener zu sein.

00:09:25

„Son quarant’anni che lavoro là io. Quarant’anni! E adesso, ancora 5 anni e sono in pensione.“
[Indica la fabbrica della Volkswagen]
„Quella è la mia vita, … quella è stata la mia vita.“

„Mi son fatto un palazzo in Sicilia, una macchina, tre motorini …“
„È stata l’America!“
„L’America, sì! L’America per me.“

Seit 40 Jahren arbeite ich dort. 40 Jahre! Und jetzt noch 5 Jahre, und dann bin ich in Rente.
[Er zeigt auf die Volkswagen Fabrik]
Das dort ist mein Leben… das ist mein Leben gewesen.
Ich habe mir ein Haus in Sizilien gebaut, ein Auto und drei Mofas gekauft.
Sie haben es zu etwas gebracht.
Ja, wie beim amerikanischen Traum. Ich habe mein Amerika gefunden.

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Video und Bilder: © La7, Francesca Mannochi: Il viaggio dei nuovi emigranti italiani